Bevor zum entspannten Teil übergegangen werden kann, sind noch Besorgungen zu machen. Wir brauchen Getränke und Snacks, also geht es am nächsten Vormittag zur Shopping Plaza. Im Walmart gibt es frische halbe Hähnchen, die wir mittags im Auto sitzend verputzen, während die allgegenwärtigen Hähne in Key West unser Auto neugierig umkreisen. Als ob sie ahnten, was wir gerade essen…
Danach muß ich den Mister überzeugen, mit mir nach Stock Key zu fahren, ohne ihm zu sagen, warum. Stock Key war früher eigentlich nur aus einem Grund interessant: Es gab hier den einzigen Burger King weit und breit, aber der ist schon lange geschlossen.
Wir müssen aber tiefer hinein in die Wohnstraßen der Insel. Wir finden dann auch, was ich suche, nämlich den Firmensitz der Key West Trading Company.
https://smugglerco.com/
Aussehen tut es aber eher wie eine Art Speakeasy-Bar in Gestalt einer hinter überwucherten Maschendrahtzäunen verborgenen Holzhütte.
Und obwohl Smuggler Jim, der Mann hinter dem Unternehmen, der hier wohnen soll, im Internet verkündet, er freue sich über vorbeischauende Kunden, ist alles verriegelt und verrammelt und die Schilder, die vorm unbefugten Betreten und seinen Konsequenzen warnen sind doppelt so viele wie die, die den selbst gebrauten Absinth bewerben.
Um uns herum Trailerhomes, die meisten sehr gepflegt. Naja haben wir wenigstens mal gesehen, wohin vermutlich abends die zahllosen Servicekräfte aus ihren unterbezahlten McJobs zurückkehren, die tagsüber dafür sorgen, daß in Key West alles schick bleibt. Ich mag das ja sehr, mal so hinter die Fassaden zu gucken und einen Blick auf das real life zu werfen.
Trotzdem bin ich jetzt ein bißchen ratlos, und nachdem der Mister schon zum dritten Mal gefragt hat, was wir hier eigentlich wollen und ich nur antworten kann: „Erzähle ich dir, wenns geklappt hat“, fahren wir unverrichteter Dinge zurück. Richtig enttäuscht bin ich aber nicht. Daß ich auf mehrere Mails an Smuggler Jim keine Antwort erhalten habe, hatte mich seelisch schon vorbereitet, daß das alles eher zweifelhaft sein würde. Aber es gibt noch weitere Optionen, die gehe ich morgen an.
Denn der Nachmittag gehört dem Zentralfriedhof. Und obwohl unsere Erwartungen hier ebenfalls niedrig waren, werden wir diesmal sehr angenehm überrascht.
Wie die meisten vermutlich wissen, hat Florida in den letzten Jahren aufeinanderfolgend zwei eiskalte Winter mit niedrigen Rekordtemperaturen erlebt, was zu einem Massensterben an Leguanen geführt hat. Nun ist das nüchtern betrachtet nicht nur schlecht. Bei unserer letzten Reise 2018 waren die Rabatten um das El Patio noch voller Anolis, ihr Verschwinden ist ein deutlicher Indikator, wie die überlegenen Neozooen die einheimische Fauna verdrängen. Eine Reduzierung des Bestandes ist also aus Sicht der kleinen einheimischen Eidechsen durchaus wünschenswert. Aber schön anzusehen waren die urigen Tiere, die zwischen den alten Gräbern leben, eben doch und wir hoffen, daß wir auch diesmal welche sehen.
Und wir haben Glück, sie sind nicht so zahlreich wie 2018, aber einige haben überlebt.
Nicht nur starke alte Tiere, auch ein paar jüngere mit gesunder grüner Färbung sind zu sehen.
Bißchen mager ist er ja, aber er hat eindeutig Stilempfinden, wie er da so neben der grünen Vase posiert
Man muß nur Geduld haben, dann kommen sie überall aus den Spalten und Ritzen in den Gräbern heraus, setzen sich in Pose und sonnen sich. Wenn sie sich einmal daran gewöhnt haben, beobachtet zu werden, sind sie auch nicht mehr so scheu, solange man sich nicht in ihre Richtung bewegt.
Daß der Friedhof direkt in der Einflugschneise liegt, stört die Tiere hingegen überhaupt nicht
Neue Mitkonkurrenten um die Reviere: Curly Tail Lizards
Sind ebenso invasiv wie die Leguane, aber süß aussehen tun sie schon, oder?
Trägt hoffentlich dazu bei, den Bestand in Schach zu halten:
Während der Mister noch fotografiert, muß ich die Straßen um den Friedhof herum ablaufen.
Hier stehen ein paar meiner Lieblingshäuser, einfache Holzhütten ohne viel Schnitzerei und Dekor, die aussehen, als wären sie älter als Key West selbst.
Später gibt McDonald's und und einen angenehm lauwarmen Vollmondabend mit Blick auf den idyllischen Patio des El Patio
Zum ersten Mal auf dieser Reise haben wir Seagrams Breezer. Es gibt ja keinen besseren Ort um eine eiskalte Margarita zu trinken.
